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Tipps zum Marokkanisch lernen (I): ا,ب, ت – Die Welt der arabischen Schrift


 
von Sandra Schwab
 
Es gibt heute vielerlei Gründe, marokkanisches Arabisch zu lernen. Manch einer findet, dass es nicht schaden kann, sich in Agadir oder Marrakesch in der Landessprache verständigen zu können. Andere haben einen Partner oder eine Partnerin aus Marokko und wieder andere haben beruflich im „Maghreb“ zu tun.
 
In unserer globalisierten Welt ist das Erlernen von „exotischen“ Sprachen gar nicht mehr so selten und so entstand auch die Idee zu diesem Artikel. Wir möchten Ihnen heute einige Tipps mit auf den Weg geben, die Ihnen beim Lernen einer nicht ganz leichten Sprache helfen sollen.
 
In diesem ersten Artikel einer 3-teiligen Serie lernen Sie alles rund ums Schreiben und Lesen auf Marokkanisch bzw. Arabisch.
 

Die arabische Schrift

Anders als zum Beispiel das Französische oder Spanische erfordert das Erlernen des Marokkanischen auch das Erlernen eines neuen Alphabets. Zwischen dem marokkanischen und dem hocharabischen Alphabet gibt es dabei keinen Unterschied.
Sollten Sie also bereits Hocharabisch schreiben können – Glückwunsch!
Falls nicht, machen Sie sich keine Sorgen: Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sich auch das arabische Alphabet mit seinen 28 Buchstaben erlernen lässt.
 
Sehen Sie hier das arabische Alphabet im Überblick.
Damit Sie schwierigere und leichte Buchstaben besser memorieren können, haben wir verschiedene farbliche Markierungen gewählt:
  1. Blau markierte Zeilen enthalten Buchstaben, deren Aussprache sich vom Deutschen unterscheidet.
  2. Rot markierte Zeilen enthalten Buchstaben, deren Aussprache das Deutsche nicht kennt.
Zeilen ohne farbige Markierung enthalten Buchstaben, die genau wie im Deutschen ausgesprochen werden.
 

Das arabische Alphabet

Buchstabe

Name

Aussprache

ا

alif

a wie in Apfel, Acker

ب

ba

B wie in Blume, Baum

ت

ta

t wie in Tier, Tomate

ث

tha

stimmloses th wie im Englischen think

ج

dschim

stimmhaftes sch wie im Französischen journal oder je

ح

ha

im Deutschen so nicht vorhanden

gehauchtes h, das zwischen dem deutschen h und dem sog. Ach-Laut anzusiedeln ist (etwa wie in hauchen)

خ

xa

Ach-Laut (aber noch etwas stärker ausgeprägt)

wie in Macht, Sache

د

dal

d wie in Dorf, Dame

ذ

thal

stimmhaftes th wie im englischen thunder

ر

ra

Zungen-r, das vorne am Gaumen mit der Zungenspitze gerollt wird (wie in Rolle, Rabe)

ز

za

stimmhaftes s wie in Sonne, singen

س

sin

stimmloses s wie in Ast, Wasser

ش

schin

stimmloses sch wie in Schimmel, Schatten

ص

sad

betonte Variante des س

im Deutschen so nicht vorhanden *

ض

dad

betonte Variante des د

im Deutschen so nicht vorhanden *

ط

ta

betonte Variante des ث

im Deutschen so nicht vorhanden *

ظ

ta

betonte Variante des ز

im Deutschen so nicht vorhanden *

ع

ain

Reibelaut, manchmal auch Würgelaut genannt

im Deutschen nicht vorhanden

غ

ghain

ein bisschen zu vergleichen mit dem Zäpfchen-r, das man aus dem Französischen kennt

im Deutschen so nicht vorhanden

ف

fa

f wie in Farbe, Frucht

ق

qaf

betonte Variante des ك

im Deutschen so nicht vorhanden *

ك

kaf

k wie in Kaffee, Klima

ل

lam

l wie in Lama, Luft

م

mim

m wie in Mama, Meer

ن

nun

n wie in Nadel, Nabel

ه

ha

h wie in Hopfen, Hilfe

و

waw

u, aber abhängig von der Buchstabenkombination kann das u auch wie ein w (plus nachfolgendem kurzem Vokal a oder i) ausgesprochen werden (Ufer, wow)

ي

yai

i wie in Idylle, irgendwo


 
* Betonte Aussprache bedeutet, dass der Buchstabe weiter hinten und gepresst ausgesprochen wird. Die Hinter- und Vorderzunge wird dabei mehr als sonst an die Munddecke gepresst, so dass die Aussprache dunkler klingt.
 
Einen detaillierten Überblick zur arabischen Schrift finden Sie auch in unserem Blog-Artikel zum arabischen Alphabet.
 
Beim Erlernen der Schrift sollten Sie Folgendes beachten:
  1. Verinnerlichen Sie, dass Arabisch von rechts nach links geschrieben wird.
  2. Üben Sie für jeden Buchstaben die jeweiligen Verbindungsmöglichkeiten.
    Zur Erinnerung:
    Im Arabischen gibt es vier verschiedene Formen pro Buchstabe: eine isolierte Form, eine Anfangs- und eine Endform sowie eine Mittelform
  3. Merken Sie sich, dass es 6 Buchstaben gibt, die nach links nicht verbunden werden:
    ا, د, ذ, ر, ز, و
  4. Vergessen Sie nicht, dass im Arabischen nur die langen Vokale geschrieben werden. Die kurzen Vokale können – müssen aber nicht – mit sogenannten Vokalzeichen über und unter dem jeweiligen Buchstaben markiert werden.
  5. Für die deutschen Buchstaben p und g gibt es im Arabischen keine Entsprechung. Das p wird meist als ب und das g als غ abgebildet.
Wenn Sie die einzelnen Buchstaben geübt haben und Sie sicherer geworden sind, fangen Sie an Wörter zu schreiben.
 
Tipp 1
Gerade in dieser Phase, wenn Sie die Buchstaben und deren Verbindung lernen, sollten Sie besonders viel üben. Fehler, die sich hier einschleichen, lassen sich später nur sehr schwer wieder ausmerzen.
 
Tipp 2
Am besten beginnen Sie mit kurzen Wörtern aus zwei bis drei Buchstaben. Hier können Sie gut die einzelnen Buchstabenformen üben und laufen nicht Gefahr, sich selbst durch zu viele Buchstabenverbindungen zu verwirren.
 
Tipp 3
Sehr gut üben können Sie mit deutschen Wörtern, die Sie auf Arabisch schreiben. Hier bieten sich Vornamen, Städte oder Länder an. Am besten lassen Sie sich diese Übungen von einem Arabisch-Muttersprachler korrigieren – so lernen Sie am schnellsten und effektivsten. Wenn Sie einen marokkanischen Partner haben, fragen Sie einfach ihn – er oder sie wird sich sicherlich freuen, Ihnen beim Lernen seiner bzw. ihrer Muttersprache zu helfen.
 
Interessantes...
Sobald Sie die arabische Schrift und das Marokkanische auf einem gewissen Niveau beherrschen, werden Sie ein Kuriosum entdecken. Ähnlich wie im Bayerischen gibt es keine verbindliche Rechtschreibung für das Marokkanische. Es kann durchaus passieren, dass drei Marokkaner dasselbe Wort dreimal verschieden schreiben. Dies macht es für Sie erheblich leichter Marokkanisch zu schreiben als Hocharabisch. Generell ist das Marokkanische aber eher eine gesprochene als eine geschriebene Sprache – wie auch das Bayerische.
 

Lesen auf Arabisch

Das Lesen ist im Arabischen nicht ganz leicht. Wie oben beschrieben werden nämlich die kurzen Vokale meist nicht geschrieben. Für Arabisch-Muttersprachler ist das kein Problem. Genauso wie Sie im Deutschen Wörter lesen können, deren Buchstaben durcheinander sind, stellt es für Araber kein Problem dar, Texte zu lesen, die ohne Vokalzeichen geschrieben sind.
 
Hier haben wir folgende Tipps für Sie:
 
Tipp 1
Gehen Sie beim Lesen Wort für Wort und Buchstabe für Buchstabe vor. Das wird anfangs sicherlich einige Zeit in Anspruch nehmen, doch Sie werden feststellen, dass Sie immer schneller werden.
 
Tipp 2
Versuchen Sie zunächst nur die Konsonanten und Langvokale eines Wortes zu erkennen und sprechen Sie diese laut aus.
 

Beispielwort

بﺎﺒ

Tür


 
bestehend aus den Buchstaben
 

ب

ا

ب

ba

alif

ba


 
Tipp 3
Lesen Sie Wörter, bei denen Sie sich bezüglich der kurzen Vokale nicht sicher sind, zunächst mit dem Kurzvokal a.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie richtig liegen, ist sehr hoch, weil der Kurzvokal a der häufigste ist. Möglicherweise erkennen Sie auch bereits das Wort an seinen Konsonanten und Langvokalen, so dass Sie die Kurzvokale – wie ein Arabisch-Muttersprachler – automatisch richtig lesen.
 
Tipp 4
Das Lesen können Sie auch sehr gut mit Hilfe von Eigennamen üben. Am besten funktioniert das beim Fernsehen. Sehen Sie sich zum Beispiel den Wetterbericht auf Arabisch an. Hier stehen auf der Wetterkarte meist entweder das Land oder die Hauptstädte auf Arabisch. Wenn Sie die Bezeichnungen bereits kennen, müssen Sie nur noch die Buchstaben zuordnen. Auch bei Interviews können Sie das Lesen mit Hilfe der eingeblendeten Namen (Vor- und Nachname) üben.
 
Tipp 5
Als letzten Lese-Tipp empfehlen wir Ihnen arabische Kinderbücher, die oft noch mit Vokalzeichen geschrieben sind. Außerdem werden diese Bücher in einfachem und damit leicht verständlichem Arabisch geschrieben – was auch das Lesen leichter macht.
 
Immer gilt:
  1. Lassen Sie sich von Muttersprachlern helfen und unterstützen. Das bringt Sie weiter und motiviert. Umgekehrt wird sich jeder Araber freuen, Ihnen beim Lernen seiner Muttersprache behilflich zu sein.
  2. Lassen Sie sich nicht entmutigen. Arabisch gilt zwar als eine der am schwersten zu erlernenden Sprachen, doch es nicht unmöglich
Im nächsten Teil dieser Reihe, in dem Sie Tipps zum Sprechen erhalten, werden Sie sehen, dass gerade die arabischen Dialekte durchaus zu erlernen sind.
 
Nun wünschen wir Ihnen viel Spaß beim Arabisch schreiben und lesen!
 
 

Über die Autorin

1. Welche Sprachen (und Dialekte) sprichst du?
Französisch, Englisch, Spanisch, Hocharabisch, Marokkanisch
 
2. Welche Sprachen lernst du gerade?
Dänisch :)
 
3. Wo hast du deinen letzten Urlaub verbracht?
Marokko
 
4. Wohin geht deine nächste Reise?
Frankreich
 
Was ist deine Lieblingsseite zum Sprachenlernen im Web?
da gibt es keine bestimmte
 
6. Was ist dein Lieblingswort?
unglaublich, weil man das wirklich oft braucht
 
7.Was kannst du in einer neuen Sprache ganz schnell lernen?
Alltagsfloskeln wie „Ich heiße…“, „Wie geht’s?“, „Bitte“ und „Danke“…
 
8.Was ist dein persönlicher Tipp für alle Sprachen-Lerner?
Sprechen, sprechen, sprechen – und nicht aufgeben!
 
9. Was ist dein Lieblings-Sprichwort? / Weißt du einen guten Zungenbrecher?
Keep smiling! und Brautkleid bleibt Brautkleid und Blaukraut bleibt Blaukraut… (Versucht es mal, gar nicht so einfach)
 
10. Was war das erste Wort, das du sprechen konntest?
in meiner Muttersprache zwar nicht das erste, dafür aber eines der lustigsten war „Mingamonga“ (Flamingo) das erste marokkanische (und sehr wichtige) Wort war „Adschi“ (Komm)
 
11. Wie würdest du dich selbst in einem Satz beschreiben?
als lebenslustigen und immer neugierigen Menschen
 

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