sprachenlernen24

| Blog-Startseite | Sprachenlernen24 | Impressum | RSS |
 

Eingeborenensprache in Kanada


 
von Regina Schwojer
 
Welcome to Edmonton! Bienvenue a Edmonton! miyoteh ka wisamiht awîyak pihcâyihk amiskwaciwâskahikan!
 
Keine Sorge, Sie haben richtig gelesen. In Kanada gibt es neben den beiden Amtssprachen Englisch und Französisch und vielen Minderheitensprachen nämlich auch zahlreiche Eingeborenensprachen (auf Englisch bitte politisch korrekt „Indigenous languages“ oder „Aboriginal languages“), die wir Ihnen in diesem Blogartikel etwas näher bringen wollen.
 
Der obige Satz ist übrigens auf Cree verfasst, eine der größten und weit verbreiteten „Indianersprachen“ in Kanada. In der Cree-Silbenschrift würde „Willkommen in Edmonton“ so aussehen: ᒥᔪᑌᐦ ᑲ ᐃᐧᓴᒥᐦᐟ ᐊᐄᐧᔭᐠ ᐱᐦᒑᔨᕁ ᐊᒥᐢᑲᐧᒋᐋᐧᐢᑲᐦᐃᑲᐣ
 
(Wer noch mehr Wörter übersetzen möchte, findet mit diesem Link ein Englisch-Cree-Wörterbuch
 

Große Vielfalt an Eingeborenensprachen vor der Besiedelung Kanadas


 
Man schätzt, dass vor der Ankunft der weißen Siedler in Kanada rund 450 verschiedene Eingeborenensprachen und -dialekte gesprochen wurden. Diese Sprachen und Dialekte gehörten zu elf verschiedenen Sprachfamilien und waren also auch untereinander sehr divers.
 
So rosig sieht die Situation heute leider nicht mehr aus: Einige Sprachen sind bereits ausgestorben und viele werden als bedroht eingestuft. Viele Sprachen verfügen nur noch über sehr wenige Sprecher. Die Sprecher werden zudem immer älter, da viele Kinder die Eingeborenensprachen nicht mehr lernen.
 
Nur rund ein Viertel der indigenen Bevölkerung spricht zu Hause eine indigene Sprache, der Anteil der Muttersprachler ist allein im letzten Jahrhundert von 87 % der eingeborenen Kanadier auf 19% gesunken.
 
Interessante Details zu den heute noch gesprochenen „Indianersprachen“ in Nordamerika finden sich unter http://www.ethnologue.com/14/ oder http://www.native-languages.org/.
 

Warum sterben die Eingeborenensprachen aus?


 
Die Gründe für das Verschwinden der „Indianersprachen“ sind vielzählig. Zum einen sind Englisch oder Französisch im modernen Leben dominant, sodass man am Arbeitsplatz, innerhalb des kanadischen Bildungssystems und bei modernen Technologien mit den Eingeborenensprachen nicht weit kommt.
 
Der Sprachverlust wurde eventuell auch dadurch begünstigt, dass die Eingeborenensprachen (ursprünglich) alle mündliche Sprachen waren. Zudem sind vor allem zur Zeit des ersten Kontakts mit den weißen Siedlern viele indigene Völker an eingeschleppten Krankheiten gestorben.
 
Der wahrscheinlich ausschlaggebendste Grund für den Sprachverlust waren jedoch die „residential schools“. Für mehr als ein Jahrhundert wurden insgesamt über 150.000 Kinder von ihren Familien getrennt und in sogenannten „residential schools“ in Landwirtschaft, Hausarbeit sowie Lesen, Schreiben und Rechnen unterwiesen. Das erklärte und offizielle Ziel dieser Einrichtungen war: „Kill the Indian, save the child“.
 
Man wollte mit dieser Direktive die Kinder von ihren indigenen Wurzeln trennen, um sie für ein Leben in der weißen Gesellschaft zu „erretten“. Somit wurden den Kindern dieser Internatsschulen nicht nur alle traditionellen Bräuche und die Ausübung ihrer Religion rigoros untersagt, auch das Sprechen der Eingeborenensprachen wurde aktiv verhindert.
 
In den „residential schools“ wurden Geschwister getrennt und Kinder aus verschiedenen Stämmen gemischt, sodass sie sich nur auf Englisch verständlich machen konnten. Zwar variierten die Maßnahmen von Schule zu Schule, aber das Gesamtbild ist dennoch erschreckend: Die Maßnahmen reichten von Belohnungen fürs Englischsprechen, über Strafen wie Nahrungs- und Schlafentzug bis hin zu Prügeln und Misshandlungen.
 
Natürlich konnten die Kinder, die von ihrer Familie getrennt aufwuchsen ihre „Muttersprache“ nicht lernen. Viele gaben ihre Sprache nach der „residential school“ auch nicht an ihre Kinder weiter, weil sie ihren Kindern keine Steine in den Weg legen wollten oder sie schließlich glaubten, was ihnen eingeredet wurde: dass die Eingeborenensprachen, genau wie die Kultur, rückständig und nutzlos seien.
 
Die traurige Konsequenz dieser (Sprach)Politik in Kanada ist Folgendes: Man schätzt, dass ohne Spracherhaltungsmaßnahmen in hundert Jahren nur drei Sprachen auf Grund ihrer großen, verbliebenen Sprecherzahl überleben werden: Cree, Ojibway und Inuktitut.
 

Hoffnungsvolle Zeichen für den Erhalt der verbliebenen indigenen Sprachen


 
Es gibt jedoch auch hoffnungsvolle Zeichen: Erstens gehören die „residential schools“ jetzt der Vergangenheit an, die allerletzte wurde 1996 geschlossen. Lesen Sie dazu auch Premier Minister Harpers Entschuldigung für die Politik der „residential schools“:
 
Den indigenen Bevölkerungsgruppen wurde die Verantwortung für die Erziehung und Bildung ihrer Kinder zurückübertragen.
 
Das Interesse an den Eingeborenensprachen nimmt in letzter Zeit stark zu. Die Initiativen zur Wiederbelebung und Bewahrung der Eingeborenensprachen reichen von lokalen Grassrootprogrammen über bilingualen Unterricht an Schulen bis hin zu Forschungs- und Dokumentationsarbeit an Universitäten. Ob das aktuelle Niveau an Engagement und Geldern von Seiten der Regierung ausreicht, um das Aussterben der einst so diversen Eingeborenensprachen zu verhindern, bleibt abzuwarten.
 
 

Über die Autorin

1. Welche Sprachen (und Dialekte) sprichst du?
Deutsch, Englisch und Italienisch spreche ich ziemlich gut; Niederländisch immerhin gut genug, um meine Mitmenschen zu erheitern. Aus der Schule habe ich zu meinem großen Erstaunen genug Französisch mitgenommen, um Pantomimespiele mit französischen Austauschschülern zu leiten, und genug Latein, um mich mit Nachhilfe über Wasser zu halten. Dank meinen Eltern beherrsche ich Oberbayrisch und Lechrainer zumindest passiv.
 
2. Welche Sprachen lernst du gerade?
Gerade sollte ich wie verrückt Italienisch pauken, um mich auf meine Zwischenprüfung vorzubereiten. Mein Niederländisch zu verbessern zählt auch zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Ich spiele mit dem Gedanken bald mit einer neuen Sprache zu starten, denn „jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ und meiner Meinung nach macht Sprachenlernen ganz zu Beginn am meisten Spaß.
 
3. Wo hast du deinen letzten Urlaub verbracht?
Ich habe in Ligurien mit einem hoffnungslos überpackten Fahrrad jeden Tag 500 Höhenmeter überwunden, bin dann ins wunderschön-blaue Meer gesprungen und habe jede Nacht wie ein Stein in meinem Zelt geschlafen.
 
4. Wohin geht deine nächste Reise?
In die Niederlande, nach Arnhem. Poffertjes, Stroopwaffels und Arnhemer meisjes, ich komme!
 
5.Was ist deine Lieblingsseite zum Sprachenlernen im Web?
Schwer zu sagen. Ich benutze oft Internetwörterbücher, muss mich aber immer rasend über die vielen Fehler aufregen. Ich fürchte die Antwort ist...Sprachenlernen24.
 
6. Was ist dein Lieblingswort?
Supercalifragilisticexpialidocious.
 
7. Welches Wort kannst du dir überhaupt nicht merken?
Lustigerweise kann ich mir die allerbanalsten Sachen am schwersten merken. Nach zwölf Jahren Englisch verwechsle ich zum Beispiel immer noch "lend" und "borrow". Wenn ich den ganzen Tag auf Englisch gedacht habe, kommt es aber auch vor, dass mir deutsche Wörter nicht mehr einfallen.
 
8. Was kannst du in einer neuen Sprache ganz schnell lernen?
Nomen, Adjektive und Verben - Konjunktionen brauchen dagegen immer ihre Zeit.
 
9. Was ist dein persönlicher Tipp für alle Sprachen-Lerner?
Vor allem wenn man mehrere Sprachen spricht oder lernt, sollte man die sich daraus ergebenden Vorteile gezielt nutzen. Kennt man ein verwandtes Wort in einer anderen Sprache, hat man schon die halbe Miete! Scheint man den Überblick zu verlieren, sollte man sich die Gemeinsamkeiten und Unterschiede noch einmal deutlich machen.
 
10. Was ist dein Lieblings-Sprichwort? / Weißt du einen guten Zungenbrecher?
Mein Lieblingssprichwort oder Motto stammt von Oscar Wilde und lautet "One should always be a little improbable." Der Zungenbrecher, an dem ich immer wieder scheitere, ist „Saschas Schere schneidet scharf, scharf schneidet Saschas Schere.“
 
11. Was war das erste Wort, das du sprechen konntest?
Soweit ich weiß, wurde das nicht festgehalten. Aller Wahrscheinlichkeit nach also „Mami“.
 
Wie würdest du dich selbst in einem Satz beschreiben?
Jemand, der immer über Stress klagt, aber alles was er macht, eben leidenschaftlich gerne tut.

 

Die bliebtesten Artikel dieser Autorin:


 
  Kostenloser Download des Weltreise-Wortschatzes mit den 30 wichtigsten Wörtern in 60 Sprachen
plus kostenloser zehnteiliger Newsletter
Sie erhalten per E-Mail:
  • den Download-Link zum Weltreise-Wortschatz
  • viele Tipps, um besser Sprachen zu lernen
  • viele kostenlose Lerneinheiten
Tragen Sie hier Ihre E-Mail-Adresse ein, um sofort Zugang zum Weltreise-Wortschatz zu erhalten und sich für den zehnteiligen Newsletter anzumelden:

 
Ihre E-Mail wird nicht weitergegeben,
Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

 
 
sprachenlernen24 on Facebook
 

Kostenlose Demoversion

 
Tragen Sie Ihre E-Mail ein und Sie erhalten sofort die kostenlose Sprachkurs-Demoversion und viele Geheimtipps zum Sprachenlernen!
 
Sie möchten folgende Sprache lernen:



(Ihre E-Mail wird nicht weitergegeben, Sie können sich jederzeit wieder abmelden.)
 

Die Themen unseres Blogs:

 

Das Lernen lernen

Vokabeln lernen

 

Lernhilfen zur Textarbeit

 

Grammatik üben

 

Sprachen der Welt

 

Schriften der Welt

 

Sprichwörter

 

So lernen Kinder

 

Zweisprachigkeit

 

Tipps der Redaktion

 

Top-Klicks

 

Archiv 2007

 

Kinospot

 

  • Radiospot herunterladen
  • Kinospot herunterladen  
     

    Sprachenlernen24 auf Facebook